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So wird Dein Reconsideration Request erfolgreich sein!

Im Zuge der letzten größeren Google Updates wurde in der SEO Szene immer häufiger auch von den sogenannten „Reconsideration Requests“ gesprochen. Nicht ganz so erfahrene Webmaster, bei denen die Sichtbarkeit kurz zuckte oder die eine ungewöhnliche Nachricht in den Webmaster Tools fanden, griffen da meist sofort zur Tastatur und beichteten Ihre gesamten Schandtaten an Google – meist ohne Erfolg. Ich werde mich heute mal der vermeindlichen Wunderwaffe „Reconsideration Request“ widmen und ein paar Zeilen dazu schreiben, worauf es beim Verfassen eines Antrags ankommt.

Was ist ein Reconsideration Request?

„Reconsideration“ bedeutet übersetzt ins Deutsche „nochmalige Prüfung“. Man stellt also bei Google einen Antrag auf nochmalige Prüfung seiner Seite. Doch wogegen, wofür?

Einen Reconsideration Request stellt man, wenn die eigene Seite definitiv von einer Penalty seitens Google betroffen ist. Diese kann einerseits manuell durch einen Google Mitarbeiter ausgesprochen worden sein oder, wie in etwa 90% der Fälle, automatisch durch einen Google Filter ausgelöst. In allen Fällen ist der Grund, dass die Webseite gegen die Google Richtlinien verstößt.

Welche Google Strafen gibt es?

Klassische Penalties gibt es viele – von der Herabstufung des PageRank bis hin zur Verbannung der kompletten Domain aus dem Index. Hier mal eine Auflistung der 5 häufigsten Google Strafen:

1. Keyword-Penalty

Bei einer Keyword Penalty verschlechtert sich das Ranking für ein oder mehrere Keywords abrupt um mehrere Plätze. Klassischerweise werden solche Strafen mit -30, -60 oder -90 Plätzen, je nach schwere der Bestrafung, verhängt. Steht ein Keyword also von einem Tag auf den anderen nicht mehr auf Position 3 in den Suchergebnissen, sondern beispielsweise auf 33, ist dies ein klares Indiz dafür, dass eine Keyword Penalty auf diesen Begriff verhängt wurde. Allerdings sollte dieser Trend ein paar Tage beobachtet werden – es kann auch schonmal sein, dass Keywords durch Google Tests stark in den SERPs springen.

Typischer Verlauf einer Keyword Penatly

Keyword Penalties werden meist verhängt, wenn auf der Landingpage Keywordstuffing betrieben wurde oder das einzelne Keyword anderweitig überoptimiert wurde. Es lohnt sich also meist hier zuerst nachzuschauen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

2. URL-Penalty

Ähnlich wie die Keyword Penalty verhält sich auch die URL-Penalty und wird schnell verwechselt. Bei dieser Form der Strafe werden alle Keywordrankings einer URL um mehrere Plätze (-30, -60 oder -90) herabgestuft. Die Gründe hierfür sind vielfältig, meist aber Onpage zu finden.

Um zu testen, ob eine solche Strafe vorliegt, sucht man zunächst einmal in Google nach uniquen Textabschnitten, wie sie auf der Seite dieser URL vorkommen. Rankt die Seite garnicht oder sehr weit unten, ist von einer Strafe auszugehen. Ebenso kann man auch mit dem Title der Seite verfahren.

3. Folder-Penalty

Eine Folder-Penalty wird meist auf einen bestimmten Seitenbereich verhängt und drückt sich darin aus, dass nur Keywords, die mit URLs aus diesem Folder rankten, im Ranking fallen. Verstanden? Ich auch nicht – also nochmal 🙂

Ist das Verzeichnis http://www.domain.tld/boeses-verzeichnis/ von einer Penalty betroffen, ranken alle in diesem Verzeichnis liegenden Seiten nicht mehr so gut wie vorher. Die Seiten http://www.domain.tld/boeses-verzeichnis/rankendes-keyword.html und http://www.domain.tld/boeses-verzeichnis/tolles-anderes-keyword.html würden also im Ranking verlieren. Klassischerweise wieder in den gängigen -30, -60 und -90 Schritten.

Diese Penalty ist recht neu und auch sehr selten. Ich persönlich habe sie bislang an noch keinem Projekt beobachten können. Meist ist der Grund, dass die Inhalte dieses Seitenbereichs für Google zu schlecht sind, sei es, weil es sich um Duplicate Content handelt oder generell um minderwertige Seiten.

4. PageRank-Penalty

Eine PageRank Penalty wurde eine Zeit lang von Google für Seiten verhängt, die nachweislich Linkverkauf betrieben haben. In jüngster Zeit habe ich diese Art der Penalty allerdings nicht mehr beobachten können. Damals wurde diesen Seiten 1-3 Punkte des in der Toolbar sichtbaren PageRank entfernt, so dass sie für einen Linkkäufer unattraktiv wurden. Heutzutage werden linkverkaufende Seiten meines Wissens von Google nicht direkt bestraft – zumindest habe ich hierfür bislang noch keine Anzeichen gefunden. Ich lasse mich aber gern in den Kommentaren belehren 🙂

Typischer Verlauf einer Pagerank Penatly

5. Deindex-Penalty

Die wohl härteste Strafe, die Google für eine Webseite verhängen kann, ist die komplette Deindexierung – also Löschung aus dem Google Index. Diese wird meist bei mehreren schweren Verstößen gegen die Google Richtlinien verhängt. In den meisten Fällen ist der Effekt relativ leicht über Webtracking Tools zu messen – es kommt einfach garkein Traffic mehr aus der organischen Suche von Google 🙂

Ist man sich dennoch nicht sicher, ob man einer Deindexierung unterliegt, tut es eine site:doimain.tld Abfrage bei Google. Liefert diese keine Ergebnisse, ist es recht wahrscheinlich, dass eine solche Penalty vorliegt.

Eine seitenweite Verbannung aus dem Index kann jedoch auch durch andere Faktoren wie eine falsch konfigurierte robots.txt Datei oder ein seitenweites noindex geschehen. Dies gilt es im Vorfeld immer auszuschließen.

Wann sollte ein Reconsideration Request gestellt werden?

Wie die obigen Beispiele zeigen, ist es recht simpel herauszufinden, ob man von Google in eine Penalty verbannt wurde. Ist dies nicht eindeutig zu klären hilft es meist, sich Rat von anderen SEOs oder Agenturen einzuholen. Nur wenn man eindeutig feststellen konnte, dass eine Penalty vorliegt und man alle Ursachen dieser Penalty behoben hat ist ein Reconsideration Request sinnnvoll. Alle anderen Anträge gehören in die Sparte:

Hallo Herr Wachtmeister, sie haben mich nicht erwischt aber ich bin gestern in einer geschlossenen Ortschaft 170 km/h gefahren.

So viel Offenheit ist sicher löblich, kann sich aber im schlechtesten Fall langfristig negativ auswirken, denn Google merkt sich alle Requests, wie Matt Cutts in diesem Video über den Umgang mit Reconsideration Requests seitens Google erklärt:

[youtube id=“5rsWc78dits“ width=“600″ height=“350″]

Als SEO sollte es aus meiner Sicht oberstes Ziel sein, Google „im Glauben zu lassen“, dass man für ein Projekt kein gezieltes SEO betreibt. Einen Reconsideration Request zu stellen kommt einerseits einem Outing, andererseits meist einem Schuldeingeständnis gleich. Das sollte vor einem Request immer bedacht werden. Wenn es aber nötig ist, muss ein Reconsideration Request auch gestellt werden, da man gerade aus manuell verhängten Penalties nicht von allein heraus kommt.

Wie muss ich einen Reconsideration Request schreiben?

Dazu gibt es von Google 4 wichtige Punkte mit auf den Weg, die im Vorfeld eines Requests zu beachten sind:

  1. Sei detailliert – Das Formular sollte so detailliert wie möglich ausgefüllt werden. Trage genau ein, welche Spamtechnik Du eingesetzt hast bzw. gegen welche Richtlinie Du vermutlich verstoßen hast und welche Gegenmaßnahmen Du eingesetzt hast. Solltest Du Opfer von Spam sein, trage auch dies in das Formular ein. Wichtig ist, dass alle Verstöße gegen die Richtlinien behoben wurden und die Maßnahmen dazu detailliert in dem Antrag beschrieben sind.
  2. Lies die Guidelines – Bevor Du einen Request stellst, lies Dir einmal die Google Richtlinien für Webmaster durch, damit Du verstanden hast, was Google eigentlich von einem Webmaster erwartet. Dein Request wird nur erfolgreich sein, wenn der Google Mitarbeiter auf der anderen Seite sieht, dass Du verstanden hast, worauf es Google ankommt.
  3. Technische Probleme – Prüfe, ob die massiven Rankingverluste evtl. etwas mit technischen Schwierigkeiten auf Deiner Seite zu tun haben. Ist dies der Fall, sende keinen Request sondern kümmere Dich darum die Probleme zu beheben.
  4. Sende nur ein Formular – Wenn Du ein Formular abschickst, wird es auch von Google gelesen. Die Beantwortung der Fragestellung kann mitunter einige Tage dauern.

Wenn alle diese Punkte erfüllt sind, wird der Reconsideration Request meist auch erfolgreich sein. In jedem Fall gibt es eine Antwort von Google über den Status. Sofern der Antrag erfolgreich war, bekommt man eine klare Aussage darüber, dass alle Punkte erfolgreich bearbeitet wurden und es keine Verstöße mehr gegen die Google Richtlinien gibt. Anders sieht es jedoch bei einer Ablehnung des Antrags aus – hier bleibt Google leider noch immer sehr bedeckt und verrät nicht, um welche Art der Verletzung gegen die Richtlinien es sich handelt. Hier bleibt nur die Möglichkeit, weiter zu Forschen und alle weiteren Probleme ebenfalls zu lösen und einen erneuten Antrag zu stellen. Im obigen Video verspricht Matt Cutts jedoch, Webmastern, die durch mehrere nacheinander gestellte Requests auffallen, eine Hilfestellung zur Problembewältigung zu geben.

Dieses Video habe ich gerade noch gefunden – es ist zwar schon etwas älter aber dennoch recht informativ:

[youtube id=“G959-2RlPyA“ width=“600″ height=“350″]

Fazit

Der Reconsideration Request ist ein notwendiges Tool, um sich aus einer Penalty zu lösen. Es ist aber unbedingt mit Bedacht zu nutzen, denn nicht jeder Request, der in der jüngeren Vergangenheit gestellt wurde ist auch notwendig. Aus meiner Sicht sollte, bevor ein Request gestellt wird, immer zunächst ein erfahrener SEO auf das Problem schauen und die Notwendigkeit eines Request einschätzen. Gerade einige automatische Penalties können auch ohne einen Request gelöst werden, indem man nur wenige Parameter ändert, um den Filter nicht mehr zu triggern. Scham gegenüber anderen SEOs ist in einem solchen Fall definitiv falsch am Platz.

So, und zu guter Letzt: Der Schlüssel zum Wundertool https://www.google.com/webmasters/tools/reconsideration und ein Satz, der nicht nur für die Nutzung der Reconsideration Requests gilt.

Hab Geduld. Nutze die Macht. Denk nach!

Danke Obi-Wan 🙂

Von Stefan Köhn

Meine ersten digitalen Spuren habe ich 2002 hinterlassen. Seitdem habe ich in vielen bekannten und weniger bekannten Unternehmen die digitale Strategie mitbestimmt. Dazu zählen DaWanda, Mister Spex, McMakler, BMI Group uvm. Außerdem greife ich aufstrebenden Unternehmen mit meiner Expertise gern als Business Angel unter die Arme.

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