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Google straft Linknetzwerke ab

Montage sind für SEOs immer spannende Tage: Sistrix spielt die neuen Daten ein und mit viel Glück gibt es mal wieder ein Update von Google. So auch in dieser Woche. Nachdem ich mir meine Rankings und Sichtbarkeiten angesehen habe schaue ich auch gern mal die Movers & Shakers in Deutschland an. Diese Woche waren ganz interessante Seiten in der Liste der Sistrix-Verlierer zu finden. Nach einiger Recherche bin ich dann auch darauf gekommen, dass Google wohl massenweise Linknetzwerke abgestraft haben muss. Daraus resultierten ordentliche Sichtbarkeitsverluste bei einigen deutschen Webseiten.

Hier mal einige Beispiele betroffener Seiten:

Sichtbarkeit zalando.de
Sichtbarkeit check24.de
Sichtbarkeit home24.de
Sichtbarkeit tagesgeldkonto.com

In den letzten Tagen haben sich eisy sowie Frank und Frank dazu geäußert. Die momentane Diskussion nehme ich mal zum Anlass mich dem Thema etwas genauer zu widmen.

Frage 1: Straft Google Linkkauf ab?

Nein! Direkt wird man von Google nicht für einen Linkkauf bestraft. Wie Matt Cutts 2010 auf der PubCon in Las Vegas angedeutet hat, werden gekaufte Links, sofern sie von Google als gekauft identifiziert wurden, einfach entwertet. Das heißt, der Link überträgt weder Linkjuice noch Linktext an die Zielseite. Würde Google einen Linkkauf direkt abstrafen, würden sie der realen Gefahr ins Auge blicken, dass Konkurrenten sich untereinander mit billigen eBay Linkpaketen zuschießen und ein neues, wahrscheinlich viel größeres Linkproblem verursachen. Aus meiner Sicht ist die Entwertung des Links die fairste Lösung mit dem Problem Linkkauf umzugehen.

Um das ganze mal zu belegen, habe ich mir die Keywords und Rankings von Zalando mal genauer unter die Lupe genommen. Sie haben im Vergleich zur Vorwoche 9% an Sichtbarkeit verloren. Zunächst habe ich geschaut, ob sich dramatisch etwas am Ranking verändert hat. Das lässt sich über die Verteilung der Keywords im Sistrix Tool sehr schön sehen. Hier die KW12 und KW13 im Vergleich:

Keywordverteilung KW 12
Keywordverteilung KW 13



Auf den ersten Blick kann man sehen, dass sich nicht wirklich viel verändert hat. Woher kommt nun aber der Sichtbarkeitsverlust? Im nächsten Schritt habe mir die Keywords inkl. Rankings der letzten 2 Wochen aus Sistrix exportiert und mit einiger Excel-Magic folgende Werte erhalten:

 KW 12KW 13Delta
Anzahl Keywords10.96710.581-386
Sichtbarkeit (eigene Berechnung)3.429,793.202,69-227,1
Sichtbarkeit gleiches Keywordset (9.271 Keywords, eigene Berechnung)3.321,343.133,88-187,46
Anzahl Keywords Position 1-306.0265.871-155
Anzahl Keywords Position 31-602.1852.103-82
Anzahl Keywords Position 61-1002.7562.607-149
Anzahl Keywords Position 1-30 (gleiches Keywordset)5.7495.658-91
Anzahl Keywords Position 31-60 (gleiches Keywordset)1.7341.75723
Anzahl Keywords Position 61-100 (gleiches Keywordset)1.7901.85868
Sichtbarkeit gleiches Keywordset Position 1-30 (9.271 Keywords, eigene Berechnung)3.180,002.987,71-192,29
Sichtbarkeit gleiches Keywordset Position 31-60 (9.271 Keywords, eigene Berechnung)90,3092,251,95
Sichtbarkeit gleiches Keywordset Sichtbarkeit 61-100 (9.271 Keywords, eigene Berechnung)51,0353,922,89

Leider liefert Sistrix beim Export der Keywords nicht gleich die Sichtbarkeit des einzelnen Keywords mit, daher musste ich mir einen eigenen Sichtbarkeitsindex berechnen, er sollte aber eigentlich ähnlich funktionieren, wie der von Sistrix. Generell sieht man, dass es zwar Bewegungen aus den Top 30 hin in die Penaltyregionen 31-60 und 61-100 gibt, diese jedoch verschwindend gering sind und die Sichtbarkeitsveränderungen auch nicht erklären können.

Im letzten Schritt habe ich mir die Keywords nach ihren Sichtbarkeitsverlusten sortiert. Dort konnte man nun endlich die Lösung für den starken Sichtbarkeitsverlust sehen. Generell haben viele Suchvolumenstarke Keywords nur einige Plätze verloren. Hier mal ein Auszug einiger Keywords:

KeywordPosition KW12Position KW13Suchvolumen (0-100)Konkurrenz (0-100)
abendkleider189581
baby schuhe1410088
kleider149069
abendkleid139075
kleid139073
jacken157564
schuhe online137078
lauflernschuhe187057
kinderkleidung137072
kinderbekleidung166562
herrenschuhe129074
ballerinas129073
herren hemden137564
liebeskind157057
high heels2610094
babyschuhe137064
kinder kleidung145571
jacke127571
sneaker278587
herrenbekleidung127071
sandaletten137051
kinder bekleidung164068
highheels258584
stiefeletten127555
stiefel259076

Das spricht nun ganz klar gegen eine klassische Google Penalty und eher dafür, dass einerseits einige Linktexte entwertet wurden und andererseits die Domainpop über die komplette Domain gesunken ist.

Frage 2: Sollte ich gekaufte Links abbauen?

Da Google Webseiten, die Links kaufen nicht direkt für einen Linkkauf abstraft, sondern wie oben zu sehen eben nur die Links entwertet, müssen Links wahrscheinlich nicht abgebaut werden, sondern einfach durch bessere Links parallel aufgefüllt werden. Den größten Fehler, den man nach dem ersten Schock machen kann, ist ganze Linkpakete komplett zu kündigen und von heute auf morgen Links abzuschalten. Dies stellt einerseits ein ganz klares Signal für Google dar, dass hier wirklich gezielt Linkkauf betrieben wurde, andererseits kann es auch sein, dass man sich somit Links abschaltet, die noch immer zählen und somit noch weiter abrutscht.

Generell würde ich raten im Verdacht stehende Links eine Zeitlang weiter stehen zu lassen und erst dann mit dem Abbau zu beginnen. Jedoch nicht, weil diese Links das Ranking nach unten ziehen, sondern einfach um auch zukünftig bei Konkurrenzvergleichen den Überblick behalten zu können.

Dieser Linkabbau sollte jedoch auch nicht abrupt geschehen, sondern über einen längeren Zeitraum geplant werden. Wie immer im SEO, kann man auch hierfür nur schwer eine Formel heranziehen. Ich würde mir die Backlinks meiner Konkurrenz über einen bestimmten Zeitraum anschauen und darüber versuchen eine Formel zu definieren.

Frage 3: Sollte ich einen Reconsideration Request bei Google stellen?

Aus meiner Sicht sollte man einen Reconsideration Request nur dann stellen, wenn man wirklich von einem Penalty direkt erwischt wurde. Im jetzigen Fall sehe ich das nicht und ich würde zunächst auch davon abraten, weil man Google nur unnötig auf den Linkkauf aufmerksam machen würde. Ein solcher Antrag auf Wiederaufnahme könnte sogar weitere Folgen haben und dazu führen, dass noch weitere Linknetzwerke von Google aufgedeckt werden.

Fazit

Die Penalty Anfang dieser Woche betraf keine linkkaufenden Webseiten direkt, sondern nur die linkgebenden Webseiten indem die ausgehenden Links entwertet wurden und somit keinen Linkjuice oder Linktext vererbten. Ich bin bislang davon ausgegangen, dass das sowieso schon seit einiger Zeit der Fall ist und immer wieder Links entwertet werden. Evtl. wollte Google nun mit einem großen Schlag nochmal auf das Thema Linkkauf und Ihre Richtlinien diesbezüglich hinweisen, wie sie es schon mit ihrem riesen PR-Gag Anfang des Jahres gemacht haben 🙂

Von Stefan Köhn

Meine ersten digitalen Spuren habe ich 2002 hinterlassen. Seitdem habe ich in vielen bekannten und weniger bekannten Unternehmen die digitale Strategie mitbestimmt. Dazu zählen DaWanda, Mister Spex, McMakler, BMI Group uvm. Außerdem greife ich aufstrebenden Unternehmen mit meiner Expertise gern als Business Angel unter die Arme.

24 Antworten auf „Google straft Linknetzwerke ab“

Danke, schöner Artikel in dieser Penalty-Reihe. Gestern hatten wir das Thema im Chat intensiver besprochen und wie du an den Kommentaren auf SEO Scene siehst, ist Eisy ganz klar der Meinung, dass eine Abstrafung der Linkziele stattgefunden hat. Dagegen würde auch die von dir ermittelten Rankingverluste sprechen, die keiner klassischen +x Penalty entsprechen.

Hi Steffen,

prima Artikel. Die Berechnung deines eigenen Sichtbarkeitsindex würde mich interessieren. Die Methodik finde ich analytisch sehr gut hergeleitet.

Danke dafür!

Bernie

Ich dachte auch immer, dass diverse Link-Quellen (AVs, Bookmarkdienste, …) sowieso nicht gewertet werden. Vielleicht ist es auch so und Google hat jetzt nur mal ein paar neue Müll-Backlink-Netzwerke entdeckt und mal etwas PR gemacht.

Wir hatten auch einen leichten Rückgang zu verzeichnen. Sind jedoch auch in dieser Zeit auf ein neues Shopsystem umgezogen. Ich kann aber jetzt wieder einen Anstieg verzeichnen.

selber Netzwerke aufbauen ist viel besser als Links in Netzwerken zu kaufen.
Man hat alles selbst unter Kontrolle und kann auch die Domains auf verschiedene Domaininhaber anmelden.
Ich habe schon Netzwerkanbieter gesehen die nicht nur auf ihren Seiten darum „betteln“ von Google abgestraft zu werden , sondern auch immer den gleichen Domain-Inhaber die Domain angemeldet haben.
Mittlerweile gibt es viele gute Blogposts wie man es richtig macht 😉

Super Artikel. Daran erkennt man mal wieder, was für ein empfindliches Thema SEO ist. Man sollte seine Verlinkungen so natürlich aussehen lassen wie es nur möglich ist. Ich entwickle mehrere SEO Strategien und wende diese auf meine Keywordphrasen an. Ich achte dabei auf einen langsamen und stetig wachsenden Linkaufbau. Bisher war das bei mir anscheinend immer der richtige Weg.

Gruß Timo

Ja, das deckt sich genau mit dem, was ich denke, eine „Abstrafung“ findet nicht statt, sondern eine simple „Entwertung“ der Links, die jetzt als „unnatürlich“ erkannt wurden – sehr schwer, den Site-Betreibern diese Idee beizubringen … ein schönes Beispiel aus dem Google-Webmaster-Forum ist hier, wo ich diesen deinen Artikel auch weiterempfehle:

https://groups.google.com/a/googleproductforums.com/forum/?hl=de&#!category-topic/webmaster-de/Gl2I6AUagAk

schöner Beitrag! Zum Thema „Reconsideration Request“ kann ich nur sagen: ist in den meisten Fällen völlig sinnlos! Sofern man weiß wo der Hund begraben ist bzw. sich seiner Linksünden bewusst ist, reicht es diese auszumerzen…. In der Regel kommen die Seiten ganz von alleine wieder!

Danke für diesen Artikel, dieser deckt sich mit meiner Vermutung die ich habe das gekaufte Links aus Netzwerken usw einfach entwertet werden. Wenn es ein Projekt nicht ganz krass erwischt hat, so bin ich auch der Meinung das man keinen Wiederaufnahmeantrag stellen sollte, sondern einfach weiter Links sammeln, eben keine „schlechten“ von dubiosen Quellen wie billigen Linkmarktpltzen. Mal sehen was die nächsten Wochen so bringen werden ….

Ich hatte mich auch gewundert,warum eine Seite völlig weg war.Ich habe keinen Wiederaufnahmeantrag gestellt.Nach 2 Wochen war die Seite wieder auffindbar,eine andere Seite bleibt völlig unauffindbar.
Ich lasse mich nicht von … erpressen.
Werde noch ein paar Wochen warten.

Danke für den kompetent dargelegten und sogar exakt vorgerechneten Zusammenhang. Wir haben uns im Anbetracht des aktuellen Gejammers vieler Websitebetreiber in unserem Umfeld schon genau die gleichen Fragen gestellt. Umso besser, dass die Antworten dann noch so klar bestätigt werden.

Der Beitrag ist einfach nur Top. Diese Infos zusammenzustellen hat bestimmt eine Menge Zeit in Anspruch genommen.

Auf verschiedenen Webseiten habe ich gelesen, dass Google demnächst Seiten die SEO optimiert sind abstrafen will. Ich denke, das Webseitenbetreiber mit einem gesunden natürlichen Linkaufbau nichts zu befürchten haben.

Sehr guter Artikel Stefan, bin über radio4seo drauf gekommen. Google drückt auf die Psychodrüse, würde mich interessieren wie der Umsatz der großen Linkverkäufer zurückgegangen ist so die letzten 2 Wochen.

Hallo Stefan,

Kompliment zu Deinem Blog. Der Bericht ist gut verfasst und mit vielen brauchbaren Informationen gefüllt. Ein kleiner Nachteil sehe ich nur darin, dass SEO und Google nicht wirklich zu 100% aufzudecken ist und so auch unter Umständen andere Faktoren zu Deinem o.g. Sachverhalt führen können.

Wenn man 5 SEO´s zum einem Thema befragt, erhält man 5 verschieden Antworten. Aber nix desto Trotz. Weiter so – guter Bericht.

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